Nationalismus und Zentralismus ebnen den Weg zum Faschismus
Liebe Genoss*innen,
Behnam G- hat einen neuen Brief verfasst, in dem er sich in Bezug auf die aktuelle Lage im Iran auf die Seite des reaktionären, rassistischen Monarchen Reza Pahlavi stellt. Aus diesem Grund möchten wir als internationalistische, migrantische Linke unsere Antwort auf seinen Brief teilen. 1.Feb.2026
wir haben den Text von Behnam G gelesen. Wir sind darüber sehr enttäuscht und zugleich entsetzt. Nicht, weil wir ihm seine Meinung verbieten wollen, sondern weil seine Worte einen politischen Bruch markieren.
Behnam hat in der Vergangenheit selbst Schutz und Solidarität in antirassistischen Zusammenhängen gesucht, als er mit rassistischer Gesetzgebung und Flüchtlingspolitik konfrontiert war. Umso erschreckender ist es für uns, dass sein aktueller Text – bewusst oder unbewusst – rassistische, nationalistische und menschenverachtende Argumentationsmuster reproduziert. Für uns wirkt dieser Beitrag wie ein Abschied von antirassistischer Politik. ( Sehe seinen Brief unten im PDF “ Last week“ )
Obwohl er sich als Opfer des Krieges darstellt, rechtfertigt er in seinem Text reaktionäre Figuren und Strukturen, insbesondere die Pahlavi-Dynastie. Zunächst verteidigt er die Löwe-und-Sonne-Flagge angeblich „ohne Krone“, um im weiteren Verlauf offen für Monarchie und Dynastie zu werben. Diese Argumentation ist widersprüchlich und politisch gefährlich.
Die Liste der Verbrechen der Pahlavi-Dynastie ist lang. Wir verweisen daher auf unsere Erklärungen aus verschiedenen Zeiträumen. Als internationalistische migrantische Linke lehnen wir jede reaktionäre Dynastie entschieden ab.
Entgegen der Darstellung von Behnam Golestani ist die gegenwärtige Protestbewegung im Iran weder monarchistisch noch ferngesteuert. Sie ist eine Reaktion auf jahrhundertelange patriarchale Unterdrückung, kapitalistische Ausbeutung sowie rassistische und ethnische Diskriminierung. Gleichzeitig beobachten wir, dass imperialistische Mächte und ihre reaktionären Medien versuchen, emanzipatorische Aufstände gezielt zu manipulieren.
Siehe hierzu:
https://fluechtlingscafe-goettingen.com/wie-desinformation-aufstaende-erstickt
Nationalismus, Monarchie und Rassismus sind tief in der Geschichte der Pahlavi-Dynastie verwurzelt. Reza Schah etablierte 1925 mit Hilfe britischer Imperialisten seine Macht durch sogenannte „ethnische Säuberungen“, die sich insbesondere gegen Araberinnen, Kurdinnen und Belutsch*innen richteten. Er schuf einen Nationalstaat auf Grundlage einer „persisch-arischen“ Ideologie und identifizierte sich offen mit faschistischen Konzepten einer „arischen Herrenrasse“.
Das berüchtigte Evin-Gefängnis, das heute von der Islamischen Republik zur Inhaftierung tausender politischer Gegner*innen genutzt wird, wurde ursprünglich unter Reza Pahlavis Vater errichtet – mit dem Ziel, oppositionelle Stimmen zu unterdrücken.
Akteure wie Reza Pahlavi sowie reaktionäre Sender wie Iran International feierten Bombardierungen und Angriffe auf Gaza offen. Reza Pahlavi begrüßte sogar Israels Angriff vom 13. Juni 2025 auf den Iran als angebliche „Chance auf einen Regimewechsel“. Diese Position hat nichts mit Emanzipation zu tun, sondern propagiert eine reaktionäre, imperialistische Kriegsagenda.
Zum Schluss möchten wir deutlich sagen: Eine Position an der Seite monarchistischer Dynastien ist ein Schlag ins Gesicht vieler Geflüchteter – insbesondere auch der Millionen Afghan*innen im Iran, die unter einer Rückkehr pahlavistischer Politik erneut zu den ersten Opfern rassistischer Gewalt gehören würden. Wer sich unter imperialistischen Flaggen wie denen Israels, der USA oder Deutschlands auf „Iran-Stolz“ beruft, kämpft nicht für ein emanzipatorisches Leben für alle Menschen.
Wir fordern Behnam G auf, sich ernsthaft damit auseinanderzusetzen, auf welcher Seite er stehen will. Emanzipatorische und antirassistische Räume sind kein Ort für monarchistische, nationalistische oder kriegslegitimierende Positionen. Wir erwarten, dass er sich konsequent aus diesen Zusammenhängen zurückzieht – einschließlich antirassistischer Netzwerke wie Welcome United sowie anderer linker und selbstorganisierter Räume.
Liebe Genossinnen,
der Widerstand der linken iranischen Diaspora gegen das faschistoide islamische Regime wird derzeit zunehmend von Monarchistinnen bedroht und angegriffen. In vielen Fällen werden Protestkundgebungen vereinnahmt oder politisch umgedeutet. In einer Situation, in der die iranische Linke in zahlreichen Ländern aufgrund von Einschüchterung, Drohungen und Gewalt durch rechte Kräfte mit massiven Einschränkungen konfrontiert ist, ist ein solcher Aufruf eine dringende politische Notwendigkeit.
Eure Solidarität ist jetzt entscheidend. Schaut, wie ihr vor Ort unterstützen könnt.
Nein zu imperialistischen Kriegen!
Nein zu Diktatoren – ob König oder Mullah!
Jin, Jiyan, Azadî!
Freiheit für alle politischen Gefangenen!
Alle Macht den Menschen – von Sudan und Palästina über Kurdistan bis zum Iran! Solidarische Grüße einige Linke internationalist*innen
Hier findet ihr unsere Stellungnahme zur aktuellen Lage im Iran:
Brief von Behnam G: im pdf:
