Stellungnahme zur gestrigen Abschiebung in Göttingen

### Update: Unsere Freundin Yacinta wurde nach Malawi abgeschoben!! Wir verurteilen diese menschenverachtende Abschiebung und rassistische Migrationspolitik aufs Schärfste! Zeigt eure Solidarität und euren Widerstand auf der Demo am Donnerstag, 07.08., Start 13.30 Uhr OM10. ###

Göttingen, 04.08.2025
Stellungnahme zur gestrigen Abschiebung in Göttingen durch die
Ausländerbehörde des Landkreises Göttingen

Und wieder eine erbarmungslose und menschenverachtende Abschiebung aus
dem Landkreis Göttingen

Gestern (04.08.2025) wurde unsere Freundin Yacinta vom Landkreis
Göttingen bei einer Vorsprache auf dem Sozialamt von der Polizei
festgenommen und nach Frankfurt zum Flughafen verschleppt. Von dort soll
sie nach Malawi abgeschoben werden, obwohl sie eigentlich aus Burundi
kommt. Diese Abschiebung zeigt einmal mehr, wie perfide das
Zusammenspiel der Behörden ist und wie unnachgiebig die Ausländerbehörde
an den Abschiebungen arbeitet. Yacinta hatte einen Termin bei der
Ausländerbehörde, um ihre Papiere verlängern zu lassen. Das muss sie auf
Anweisung der Sachbearbeiterin alle 2 Wochen tun. Da Yacinta krank war,
wollte sie sich stattdessen einen Krankenschein beim Sozialamt holen, um
zum Arzt gehen zu können. Deshalb ging Yacinta zum Sozialamt in der
Carl-Zeiss-Straße. Dort sollte sie dann warten, bis jemand Zeit hätte.
Selbst der Leiter der Ausländerbehörde kam zu Yacinta, um sie auf gleich
zu vertrösten. Da Yacinta und ihrer Begleiterin das alles komisch
fanden, wollten sie nicht warten. Beim Wegfahren wurden sie dann auch
von Zivilbeamten angehalten. Yacinta solle aussteigen. Sie war in Panik
und bekam Atemnot, schrie und lag auf dem Boden. Ein von der Polizei
mitgebrachter Arzt sagte nur, er sei ja da und würde sie begleiten. Der
Leiter der Ausländerbehörde stand einfach dabei und telefonierte.
Yacinta beruhigte sich schließlich etwas. Die Polizei nahm ihr das Handy
weg und sie musste einsteigen. Sie konnte nicht mal mehr nach Hause, um
einige Sachen einzupacken.
Seit fast 8 Jahren kämpft Yacinta um ein Bleiberecht. Erst musste sie
Jahre in der Unterkunft in Wollershausen regelrecht verschimmeln und
vereinsamen. Dann fand sie endlich Freund*innen in Göttingen, die ihr
geholfen haben, aus dem verschimmelten Leben in Wollershausen
auszubrechen. Sie ging wieder zur Schule, hat ihren Haupt- und ihren
Realschulabschluss gemacht. Hatte eine Ausbildungsstelle gefunden. Aber
die Ausländerbehörde hat ihr nur Steine, riesengroße Steine in den Weg
gelegt. Umzug abgelehnt! Geld gestrichen! Ausbildung abgelehnt! Sie
haben schließlich sogar behauptet sie sei gar nicht aus Burundi, sondern
aus Malawi. Sie haben sie gezwungen, zur malawischen Botschaft zu gehen.
Dort wurde natürlich bestätigt, dass sie aus Malawi sei und der
Ausländerbehörde ein Passersatzpapier ausgestellt. Yacinta ist es aber
gelungen, ihre Geburtsurkunde aus Burundi zu bekommen und war erst
letzte Woche bei der burundischen Botschaft, um die Echtheit bestätigen
zu lassen. Das aber wollte die Sachbearbeiterin offensichtlich nicht
mehr abwarten. Zu Yacinta hat sie ins Gesicht gesagt, sie schaffe es
schon, sie abzuschieben. Bevor also die Echtheit der Geburtsurkunde sie
vor einer Abschiebung bewahrt hätte, sollte sie möglichst schnell
abgeschoben werden. „Ich kenne Yacinta seit einigen Jahren und konnte
verfolgen, wie diese Praxis der Ausländerbehörde und dieser speziellen
Sachbearbeiterin sie kaputt gemacht hat“, so eine Freundin von Yacinta.
Die Sachbearbeiterin muss die Abschiebung längst akribisch vorbereitet
haben. Der Flug jedenfalls schien schon klar zu sein: 22.05 Uhr ab
Frankfurt. Da Yacinta aber statt in Osterode in Göttingen beim Sozialamt
auftauchte, muss das Sozialamt die Ausländerbehörde informiert haben.
Schließlich kam sogar der Leiter der ABH zu Yacinta auf den Flur. Die
Ausländerbehörde hat dann die Polizei informiert und die kam natürlich
sogleich angerauscht und konnte Yacinta leider noch abfangen.
Seit Jahren verschärfen die Parteien die Gesetzgebung im
Aufenthaltsrecht, steigern die Abschiebungen – egal ob CDU, SPD oder
Gründe, sie machen alle mit! Ganz perfide sind nicht nur der EU-Türkei
Deal oder die GEAS-Reform, sondern auch die ganzen Abkommen, die die BRD
und die EU mit diversen Ländern geschlossen haben. Dafür wurde extra ein
Herr Stamp eingestellt als Sonderbeauftragter, der nur diese eine
Aufgabe hat. Zwangsvorführungen bei Botschaften sind ein weiterer
Baustein in der Entrechtung von Geflüchteten. Hier stellen sogenannte
Botschafter dann bereitwillig Passersatzpapiere aus, damit die Menschen
abgeschoben werden können. Für alle diese Zugeständnisse bekommen die
Länder viel Geld von Deutschland oder der EU. Die Menschen selbst
kümmern sie dabei einen Dreck!
Der Ak Asyl Göttingen verurteilt diese Abschiebung aufs Schärfste! „Die
Praxis der Entrechtung gibt den Sachbearbeitenden so viel Macht über
Menschen, die sie nur allzu oft gegen die Geflüchteten einsetzen, statt
ihnen zu helfen.“ Das Beispiel von Yacinta zeigt sogar, wie eine
Sachbearbeiterin es sich zu ihrer persönlichen Angelegenheit macht, eine
Frau endlich abzuschieben.

Unterzeichnende
Arbeitskreis zur Unterstützung von Asylsuchenden e.V. (Göttingen)
Our house OM10
FlüchtlingsCafé Göttingen
Anti-Abschiebe-Café
Netzwerk gegen Femizide Göttingen
Defend Kurdistan
Autonom feministische Initiative demokratischer Konföderalismus
Bündnis für offene Grenzen

Kontakt: akasylgoe@emdash.org

Mehr info:

https://omzehn.noblogs.org