Iran: Mehr als 370 Hinrichtungen im ersten Halbjahr 2026
Iran: Mindestens 101 Hinrichtungen im Juni – mehr als 370 im ersten Halbjahr 2026
Iran Human Rights (IHRNGO), 6. Juli 2026
Die Anwendung der Todesstrafe in der Islamischen Republik Iran, die sich nach der am 18. März begonnenen Welle von Hinrichtungen politischer Gefangener schrittweise verschärft hatte, nahm nach dem Anfang April vereinbarten Waffenstillstand nochmals deutlich zu. Diese Entwicklung erreichte ihren Höhepunkt mit mindestens 101 Hinrichtungen allein im Juni.

Insgesamt wurden im ersten Halbjahr 2026 mindestens 370 Menschen hingerichtet. Darunter befanden sich neun Frauen, elf afghanische Staatsangehörige, zwei irakische Staatsangehörige, 33 Belutsch:innen, 25 Kurd:innen sowie neun Araber:innen.
Die Organisation Iran Human Rights (IHRNGO) warnt vor dem Risiko eines weiteren Anstiegs der Hinrichtungen in den kommenden Monaten. Sie fordert die internationale Gemeinschaft auf, die Menschenrechtslage im Iran – insbesondere die gegenwärtige Hinrichtungswelle – in den Mittelpunkt aller Gespräche mit den Behörden der Islamischen Republik zu stellen.
Mahmood Amiry-Moghaddam, Direktor der Organisation, erklärte:
„Jede Vereinbarung, die Staaten mit einem Bekenntnis zu den Menschenrechten mit der Islamischen Republik Iran schließen, sollte ein Moratorium für die Todesstrafe zur unverzichtbaren Voraussetzung machen. Die Europäische Union und ihre Partner können und müssen eine entscheidende Rolle dabei spielen, den Hinrichtungen im Iran ein Ende zu setzen.“
Nach den von Iran Human Rights (IHRNGO) überprüften Daten wurden im Juni mindestens 101 Menschen hingerichtet. Damit stieg die Gesamtzahl der dokumentierten Hinrichtungen im ersten Halbjahr 2026 auf mindestens 370.
Darüber hinaus liegen der Organisation Informationen über mehr als 400 weitere mutmaßliche Hinrichtungen vor, die bislang noch nicht unabhängig überprüft werden konnten und deshalb nicht in die Statistik aufgenommen wurden.
Die Organisation betont, dass sie ausschließlich Hinrichtungen erfasst, die ausreichend dokumentiert oder durch mindestens zwei voneinander unabhängige Quellen bestätigt wurden.
Überblick über die Hinrichtungen von Januar bis Juni 2026
117 Personen waren wegen Drogendelikten zum Tode verurteilt worden.
Mindestens 370 Menschen wurden im ersten Halbjahr 2026 hingerichtet.
Nur 53 Hinrichtungen (14 % der dokumentierten Fälle) wurden von offiziellen Stellen bekannt gegeben. Die übrigen 317 Hinrichtungen wurden von Iran Human Rights (IHRNGO) anhand von mindestens zwei unabhängigen Quellen verifiziert.
188 der Hingerichteten waren wegen Mordes verurteilt worden.
Neun Personen wurden aufgrund von Vergewaltigungsvorwürfen hingerichtet.
Bei einer Person ist der Grund der Verurteilung unbekannt.

Fortsetzung
- 55 Personen wurden aufgrund von Anklagen hingerichtet, die mit der nationalen Sicherheit begründet wurden. Darunter befanden sich:
- 18 Demonstrierende,
- 13 politische Gefangene, die verbotenen Oppositionsgruppen zugerechnet wurden,
- 12 Personen, denen Spionage und/oder Zusammenarbeit mit ausländischen Staaten vorgeworfen wurde.
- 7 Personen wegen bewaffneten Raubes hingerichtet,
- 2 Personen wegen angeblicher Mitgliedschaft beim sogenannten „Islamischen Staat“ (IS/Daesh),
- bei 3 weiteren Personen sind die Gründe für die Verurteilung unbekannt.
- Neun der Hingerichteten waren Frauen. Fünf von ihnen waren wegen Mordes verurteilt worden, vier wegen Drogendelikten.
- Unter den Hingerichteten befanden sich 11 afghanische Staatsangehörige, 2 irakische Staatsangehörige, 33 Belutsch:innen, 25 Kurd:innen sowie 9 Araber:innen.
Weniger als drei Wochen nach Beginn des Krieges, am 28. Februar, leitete die Islamische Republik nach Angaben des Berichts eine Hinrichtungswelle gegen politische Gefangene ein, deren Ausmaß
seit drei Jahrzehnten beispiellos gewesen sei.
Zwischen dem 18. März und dem 16. Juni gaben die Behörden der Islamischen Republik die Hinrichtung von
- 21 Demonstrierenden bekannt – darunter 20 Personen, die im Zusammenhang mit den Protesten vom Januar 2026 standen, sowie eine Person im Zusammenhang mit der Bewegung „Frau, Leben, Freiheit“,
- 13 politischen Gefangenen, denen die Zugehörigkeit zu verbotenen Oppositionsgruppen vorgeworfen wurde,
- sowie 10 Personen, die der Spionage beschuldigt wurden.
Von diesen zehn Personen wurden acht beschuldigt, für Israel und/oder die Vereinigten Staaten spioniert oder mit ihnen zusammengearbeitet zu haben. Zwei weitere sollen mit einem nicht näher bezeichneten arabischen Staat kooperiert haben.
(Text veröffentlicht am 6. Juli 2026 von Iran Human Rights (IHRNGO); übersetzt von der Redaktion von Echo d’Iran.
Quelle:

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