BAMF schiebt jesidische Frau aus Friedland ab, trotz Todesdrohungenihres Mannes und ihrer chronischen Erkrankungen

Am Mittwoch den 18. März wurde unsere Freundin Khanum brutal nach Armenien abgeschoben. Anlässlich dazu rufen wir zu einer Demonstration am Donnerstag, den 26.3. um 15 Uhr am Neuen Rathaus in Göttingen auf!

Bei einem Anhörungstermin in Friedland am vergangenen Mittwoch wurde Khanum M., eine 55-jährige Jesidin, die seit 6 Jahren in Rosdorf lebt, gewaltsam von der Polizei verschleppt. Sie wurde trotz Begleitung ihrer Anwältin im Keller der Räumlichkeiten des BAMF (Bundesamt für Migration
und Flüchtlinge) brutal von Polizisten an Händen und Füßen gefesselt, um von dort aus in einen bereit stehenden Polizeibus gezerrt und direkt nach Frankfurt gebracht. Sowohl der Einwand der Anwältin, dass ihre Klientin in einem laufenden Asylfolgeverfahren sei, als auch die lauten Klagen über Schmerzen, wurden ignoriert. Ein Eilantrag blieb folgenlos, da am Mittwoch Nachmittag das zuständige Gericht nicht mehr erreichbar war. So wurde Khanum M. in Frankfurt umgehend in das bereitstehende
Linienflugzeug der Lufthansa verfrachtet. Sie konnte weder persönliche Gegenstände noch Kleidung einpacken und kam in der Nacht des 19. März (um 3:55 Uhr) nur mit dem, was sie anhatte, in Yerevan, der Hauptstadt von Armenien, an. Weder Geld, noch ihre Brille, weder ihre Medikamente,
noch ihre Dokumente wurden ihr gelassen.
Khanum M. ist schwer chronisch krank und jetzt vollkommen mittellos und ohne die erforderliche medizinische Versorgung. Sie ist zudem der Bedrohung ihres gewalttätigen Ehemannes vollständig ausgeliefert, der ihr mehrfach mit dem Tod gedroht hat.
Das alles konnte nur in einem minutiös geplanten Zusammenspiel von Mitarbeitenden der Ausländerbehörde des Landkreises Göttingen, des BAMF und des Erstaufnahmelagers in Friedland sowie der Polizei gelingen. Wir fragen uns, welcher Verfolgungswille und welches Verständnis von Recht
und Gerechtigkeit muss bei den verantwortlichen Mitarbeiter*innen vorhanden sein, um eine ältere Frau, die ihr Leben und ihre Familie hier in Göttingen und Rosdorf hat und deren Leben in ihrem Heimatland bedroht ist, so zu verfolgen und zerstören zu wollen. Dieses unmenschliche
Verhalten von Mitarbeiter*innen der beteiligten Behörden wird aktiv durch eine Politik gefördert, die die Ausgrenzung, Kriminalisierung und Entmenschlichung von Geflüchteten in Deutschland und Europa immer weiter vorantreibt!
Das humanitäre Image, dass sich die Erstaufnahmeeinrichtung und die Politik in Friedland gibt, ist nur Fassade!
Wir, der AK Asyl Göttingen, klagen das Erstaufnahmelager Friedland an, dass es sich an der brutalen Abschiebepraxis aktiv beteiligt!
Wir klagen an, dass eine Frau, die vor den Todesdrohungen ihres Ehemannes Schutz sucht, diesen in Deutschland und im Landkreis Göttingen nicht bekommt!
Wir klagen an, dass Jesid*innen in Deutschland keinen Schutzstatus erhalten!
Wir klagen die rassistische und schikanierende Praxis in den Ausländerbehörden an!

Wir fordern die aktuelle Landrätin, Frau Fragel auf, diese inhumane Praxis der ihr unterstehenden Behörde abzustellen!
Wir fordern Frau Fragel auf, die namentlich bekannten Mitarbeiter*innen ihrer Behörde, die nachweislich Menschenrechte mit Füßen treten, zur Rechenschaft zu ziehen!
Wir fordern, dass Khanum M. ihr begonnenes Asylfolgeverfahren durchlaufen und sie dafür nach Deutschland zurückkehren kann!
Wir werden nicht aufhören, für ein Bleiberecht und das Grundrecht auf
Asyl zu kämpfen!
Und wir fordern alle Göttinger*innen auf, sich für die Rechte ihrer
Mitmenschen stark zu machen!
Wir wollen unsere Freundin Khanum zurück!

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Kommt mit uns am Donnerstag um 15 Uhr zum Neuen Rathaus. Wir gehen gemeinsam für eine solidarische und menschliche Gesellschaft auf die Straße.
Göttingen ist kein Ort, an dem Menschen unbemerkt aus ihren Leben, ihrer Familie und ihrer Nachbarschaft und von ihren Freund*innen entrissen werden können. Wir lassen eine solche Unmenschlichkeit nicht unbeantwortet!
Für das Recht, zu kommen und zu bleiben!
Für das gleiche Recht, für alle!

Ak Asyl Göttingen

akasylgoe@emdash.org

Hier ist Redebeitrag AK Asyl Göttingen:

Mehr info :

satz vorschlagen: Bei den Konferenzen der Ministerpräsident*innen und der Innenminister*innen im Juni 2024 ging es vor allem darum, wie Geflüchtete von Deutschland ferngehalten werden und wie mehr Menschen, die bereits in Deutschland sind, abgeschoben werden können. PRO ASYL sieht in den Beschlüssen die Ergebnisse einer völlig entgleisten politischen Debatte.

https://www.igfm.de/endloser-konflikt-oder-ende-der-existenz-armeniens