Antideutscher Brandanschlag in Leipzig Connewitz – Solidarität mit Lisa K.!

Am Freitagabend, den 30. Oktober, brannte die Wohnung von Lisa K. in einem Mehrfamilienhaus im Leipziger Stadtteil Connewitz. Die Feuerwehr war zügig zur Stelle. Laut Medienberichten konnte man „jede Menge Rauch“ bereits aus einiger Entfernung sehen. Lisa K. war zu diesem Zeitpunkt glücklicherweise nicht zu Hause. Verletzt wurde auch keiner der anderen Hausbewohner:innen. Es ist wahrscheinlich, dass es sich hierbei um Brandstiftung gehandelt hat. 

Die Polizei ermittelt. Der Verdacht, dass es sich bei den Tätern um die gleichen radikalisierten Antideutschen1 gehandelt hat, die wenige Wochen zuvor in ganz Connewitz Beleidigungen und Mordaufrufe gegen Lisa K. an Hauswände geschmiert hatten, liegt deshalb nahe, weil es am Sonntag, den 1. November einen weiteren Brandanschlag mit eindeutigem Bezug zu Lisa K. gegeben hat. Dieses Mal brannte der Hausflur eines anderen Mehrfamilienhauses – ein dort abgestellter Kinderwagen war angezündet worden. Das Gebäude wurde wahrscheinlich deshalb zum Ziel, weil solidarische Aktivist:innen an dessen Wand ein Solidaritätsgraffito angesprüht hatten, es lautete: „We stand with Lisa K.“. Das Graffito wurde kurz nach dem Anschlag übersprüht. Ein neues Graffito wurde daraufhin angebracht, es wurde abermals übermalt. 

Hintergrund der Tat ist eine monatelange Hetzkampagne gegen Lisa K. als Mitglied des linken, immer noch antideutsch beherrschten Sportvereins Roter Stern Leipzig (RSL). Lisa K. hatte sich im Januar schützend vor palästinasolidarische Mitglieder des Vereins gestellt und war für die Wahrung demokratischer Prinzipien im Verein eingetreten. Daraufhin wurde sie zur Zielscheibe zionistischer Hetze, die sich bis hin zu einer Graffitikampagne mit Aussagen wie: „Lisa K. in Gaza vergewaltigen“, „Lisa K. nach Gaza deportieren“, „Remigration für Antisemiten“, Lisa K. renn oder brenn“, „Lisa K. häng dich auf“ radikalisierte. Sie erhielt vom Roten Stern Leipzig außer halbgaren Distanzierungen keine handfeste Unterstützung. Wie Lisa K. im Interview mit KGK berichtete: 

Sie haben die Sache an die Polizei weitergegeben und damit war das für sie erledigt. Stattdessen wurde ich wiederholt pathologisiert, rassistisch als ‚ ‚angry black woman‘ geframed und damit als das eigentliche Problem dargestellt. Von einer Person aus dem Vorstand habe ich zum Beispiel den Tipp bekommen, dass ich mich doch jetzt am besten bei der psychiatrischen Notfallambulanz melden sollte. Dabei war ich keine Gefahr für mich selbst oder für andere, sondern ich wurde bedroht. Ich war in Gefahr.

Der Vorstand des Roten Sterns hatte in Antwort auf das Interview eine Stellungnahme herausgegeben, in der er erneut den Ernst der Lage verkannte und versuchte, sich auf keine Seite zu stellen. Gewalt- und Morddrohungen gehörten zwar verurteilt und man sei solidarisch mit der Betroffenen, aber man müsse es auch gleichzeitig „aushalten“ können, „wenn Andere der Einordnung [des israelischen Vorgehens in Gaza] als Genozid widersprechen.“ Dass von der Leugnung eines nicht zu leugnenden, weil live gestreamten Völkermords, eine direkte Linie zur Drohung „Lisa K. renn oder brenn“ und schließlich zur Umsetzung dieser Drohung führt, versucht diese Stellungnahme auszublenden. Dass die Täter mit dem Verein in Verbindung stehen, ist wahrscheinlich. Die Schmierereien enthielten auch den expliziten Aufruf: „Lisa K. raus aus RSL“. 

Gewiss wird dieser Anschlag der Mehrheit der Antideutschen im Roten Stern entschieden zu weit gegangen sein, doch ist dieser Vorfall nichts anderes als die konsequent zu Ende gedachte Logik der zionistischen Hetze gegen Lisa K., an der sich große Teile der Vereinsbürokratie mit ihrem „Aufarbeitungsprozess“ gegen Lisa K. unter dem fadenscheinigen Vorwurf des Antisemitismus fleißig mit beteiligt haben. Statt der Hetze entschieden Einhalt zu gebieten, als sie noch in ihren Anfängen steckte, schrecken die antideutschen Vereinsbürokraten nur in dem Moment zurück, als die Geister, die sie riefen, sich verselbstständigten. So weit wollte man dann doch nicht gehen. 

Diese Brandanschläge sind aber nicht im luftleeren Raum entstanden. Sie stammen aus einem Mileu, dass sich unter den Eindruck des politischen Untergangs der Antideutschen, der Herausforderung ihrer letzten „sicher“ geglaubten Stellungen, wie eben dem RSL, immer weiter nach rechts radikalisiert und inzwischen bei Nazimethoden angelangt ist. Die zionistischen Kräfte werfen der palästinasolidarischen Bewegung ständig vor, gemeinsame Sache mit „Terroristen“ zu machen, doch stehen sie selbst mit denjenigen auf der gleichen „Connewitz Unbreakable“ Demo, die zu Terror als politischem Mittel greifen, um ihren schwindenden gesellschaftlichen Einfluss zu kompensieren. Die große Antifa-means-Free Palestine-Demonstration vom 17. Januar richtete sich gegen antideutsche Gewalt im Viertel. Es scheint, als brauche es nach diesen Anschlägen eine noch viel größere Demonstration.

Bereits jetzt erfährt Lisa K. breiteste Solidarität. Der Bericht über den Anschlag von Lotta Antifaschista erreicht Hunderttausende. Auch von Teilen der Leipziger Linkspartei gab es bereits Solidaritätsbekundungen. Der Landtagsabgeordnete Nam Duy Nguyen schrieb am Mittwochmorgen auf Instagram: 

Dass die Wohnung von Lisa K. und ihrer Freund*innen Ziel von Brandanschlägen wurden, ist krank. Menschen protestieren gegen Genozid in Gaza und werden dafür diffamiert, eingeschüchtert und als Antisemiten verunglimpft. Palästinasolidarität in Deutschland kostet vielen nicht nur ihre Jobs, sondern offenkundig auch ihre Sicherheit. Die Täter der Brandanschläge gehören identifiziert und zur Rechenschaft gezogen. Leute, die bei den Graffitis der letzten Wochen an ‚false flag‘ gedacht oder darüber schwadroniert haben, dürfen sich jetzt mal ne Runde ganz grundlegend hinterfragen.

Die dem antideutschen Spektrum nahestehende, für Connewitz in den Landtag gewählte linke Abgeordnete Juliane Nagel schweigt sich bisher aus.

Als Revolutionäre Internationalistische Organisation fordern wir eine unabhängige Untersuchung des Brandanschlages und einen selbstorganisierten Schutz für die Betroffenen. Wir rufen dazu auf, für die Anwalts-, Behandlungs- und Umzugskosten von Lisa K. zu spenden. Hier der Spenden-Link.

Fußnoten

  1. 1. Die Antideutschen: Begriff für eine sich als antinational verstehende politische Strömung in Deutschland mit Wurzeln im Maoismus, die sich in den 90er Jahren unter dem Eindruck der kapitalistischen Wiedervereinigung herausbildete. Sie geht davon aus, dass das deutsche Volk onthologisch zum Faschismus und Antisemitismus neigen würde und da Staat und Volk in dieser (anti-)nationalen Abstraktion, in der Klassen und Klassenkampf keine Rolle mehr spielen, in eins fallen, brauche es eine Schutzmacht, die Deutschland in Schach hält. Nach dem Wegfall der Sowjetunion wurde diese Schutzmacht die USA. Mit der gleichen Abstraktion wurde dann auch auf den Konflikt um Israel/Palästina geschaut: Die Palästinenser:innen seien das „böse“ Volk, die Israelis das „gute“ Volk. Als fanatische Parteigängerin Israels ist die rasch schrumpfende antideutsche Strömung heute fest an die Seite des deutschen Staates gerückt und handelt innerhalb der radikalen Linken als Hilfspolizei des deutschen Imperialismus unter dem Deckmantel der Bekämpfung eines angeblichen virulenten Islamobolschewismus.

Quelle: Redaktion von „Klasse gegen Klasse“ in Online

https://www.klassegegenklasse.org/antideutscher-brandanschlag-in-leipzig-connewitz-solidaritaet-mit-lisa-k