Der Krieg des Huthi-Staates gegen Saudi-Arabien und die Zeitgeschichte des Jemen

Der militärische Vormarsch der „Huthis“ im Krieg gegen Saudi-Arabien und die international anerkannte Regierung des Jemen steht derzeit im Mittelpunkt der internationalen Berichterstattung. Unter dem Einfluss von Kommentator*innen internationaler Medien und der Islamischen Republik Iran vertreten viele eine oberflächliche Sichtweise: Sie glauben, ein „armes, barfüßiges Volk“ habe die US-Armee besiegt und die Kontrolle über die Straße von Bab al-Mandab übernommen – eine der wichtigsten strategischen Engstellen der Weltwirtschaft und des globalen kapitalistischen Handels.

Ein Blick auf die Entstehungsgeschichte des Huthi-Staates beziehungsweise von Ansar Allah im Norden und der offiziellen Regierung des Jemen im Süden widerlegt jedoch einen Großteil dieser oberflächlichen Einschätzungen.

Beide Seiten befinden sich heute im Krieg miteinander. Sie vertreten jedoch unterschiedliche Fraktionen der jemenitischen herrschenden Klassen, insbesondere der Großgrundbesitzer*innen sowie der mit dem Erdölsektor und dem Militär verbundenen Kapitalfraktionen. Beide sind im Rahmen des globalen kapitalistischen Systems und unter dem Einfluss der geopolitischen Interessen imperialistischer Großmächte entstanden.

Die Entstehungsgeschichte beider politischen Kräfte reicht zurück zu den antikolonialen Aufständen gegen die britische Kolonialherrschaft, zum Sturz der Sultanatsstämme im Süden und zum Sturz der zayditischen Monarchie im Norden.

Es ist eine lehrreiche Geschichte: Wie auch zahlreiche andere antikoloniale Aufstände in verschiedenen Teilen des Nahen Ostens und der Welt wurden die antikolonialen Erhebungen im Jemen schließlich in die Bahnen kolonialer und imperialistischer Machtpolitik gelenkt.

Das Ergebnis waren ein territorial zersplittertes Land, anhaltende reaktionäre Kriege und ein fortwährender Wechsel reaktionärer Herrschaftsregime. Diese Regime verinnerlichten und reproduzierten nacheinander immer stärker die Abhängigkeit von Kolonialismus und Imperialismus. Zugleich verschärften sie die Klassenwidersprüche und die Armut, organisierten und verfestigten gesellschaftliche Unterdrückungsverhältnisse wie das Patriarchat und die Versklavung von Frauen und institutionalisierten zunehmend die Verschmelzung von „Religion und Staat“ sowie die Herrschaft reaktionärer Scharia-Gesetze über das Denken und das gesellschaftliche Leben.

Die Kräfte auf beiden Seiten der Kriegsfront

Der Krieg, den die USA und Israel mit ihrem militärischen Angriff auf den Iran begonnen haben, hat sich inzwischen auch auf Saudi-Arabien und den Jemen ausgeweitet. Die Huthis bedrohen nicht nur die Existenz der saudischen Königsfamilie, sondern auch den Bestand des Staates Saudi-Arabien, der 1932 gegründet wurde.

Pakistan hat 16.000 Soldat*innen an der Grenze zwischen dem Jemen und Saudi-Arabien stationiert. Frankreich hat angekündigt, Radarsysteme, Überwachungsausrüstung und Marinekräfte im Hafen von Yanbu zu stationieren. Frankreichs derzeitiges Ziel ist es, die Ost-West-Pipeline zu schützen, über die saudisches Erdöl durch den Suezkanal nach Europa transportiert wird.

Auf der einen Seite der jemenitischen Kriegsfront stehen Saudi-Arabien, US-amerikanische Militärberater und die offizielle Regierung des Jemen, die den Sitz des Landes bei den Vereinten Nationen innehat. Auf der anderen Seite steht die Huthi-Herrschaft beziehungsweise „Ansar Allah“ mit der Stadt Sanaa als Hauptstadt. Sie wird von der Islamischen Republik Iran aktiv unterstützt – insbesondere durch militärische Planungsberatung, Waffen und Ausbildung.

Dokumentiert ist, dass der Iran die Huthis seit mehr als einem Jahrzehnt mit Waffen, finanziellen Mitteln und militärischer Ausbildung unterstützt. Mit Hilfe der iranischen Revolutionsgarden erhalten die Huthis Komponenten für Anti-Schiffs-Raketen und Drohnen über zivile Frachtlieferungen. Anschließend werden diese Teile in unterirdischen Werkstätten und Fabriken zusammengebaut.

Die offizielle Regierung des Jemen steht unter der Führung eines Gremiums namens „Präsidialer Führungsrat“ (Presidential Leadership Council, PLC). Dabei handelt es sich um ein militärisches Bündnis verschiedener anti-huthistischer Gruppierungen: ein heterogenes Sammelsurium, das von der Muslimbruderschaft und salafistischen Kräften bis hin zum „Südlichen Übergangsrat“ reicht. Letzterer stand von 1969 bis 1990 unter dem Schutzschirm der Sowjetunion und verstand sich selbst als „marxistisch“. Heute steht er unter dem Schutzschirm der Vereinigten Arabischen Emirate und Israels!

Tatsächlich unterstehen nicht einmal die militärischen Kräfte der „offiziellen Regierung des Jemen“ einem einheitlichen Oberkommando.

Die Huthi-Herrschaft ist, ähnlich wie die Islamische Republik Iran, ein auf der Scharia basierendes Herrschaftssystem. Frauen stehen unter der Kontrolle eines Gesetzes, das als „Mahram-Gesetz“ bezeichnet wird. Das bedeutet, dass sie ohne die Begleitung eines männlichen Vormunds – eines sogenannten Mahram – weder reisen noch studieren oder medizinische Behandlung in Anspruch nehmen dürfen.

Eine paramilitärische Einheit namens „Zainabiyat“ kontrolliert streng das gesellschaftliche Verhalten und die Kleidung von Frauen.

In der offiziellen Ideologie der Huthis wird immer wieder betont, dass die Religion die Grundlage der Staatsführung bilden müsse. Die Trennung von Religion und Staat wird als ein westliches Projekt dargestellt, das darauf abziele, die „islamische Umma“ zu schwächen. Die Herrschaft müsse innerhalb des Rahmens religiöser Vormundschaft und der zayditischen Lehren organisiert werden.

Auch hinsichtlich der politischen Führung berufen sich die Huthis auf einen „göttlichen Führungsanspruch“ und vertreten eine genealogisch begründete Herrschaftsideologie. [1] Das bedeutet, dass Nachkommen des Propheten Mohammed einen besonderen und exklusiven Anspruch auf politische Führung haben sollen.

Den Säkularismus bezeichnen sie als Bestandteil einer „kulturellen Invasion“. Sie haben Medienkampagnen gegen „Säkularismus“ und „Liberalismus“ gestartet, an Schulen und Universitäten religiös ausgerichtete Lehrprogramme eingeführt und Gesetze sowie Vorschriften mit besonderer Betonung der „Glaubensidentität“ gestaltet.

Der harte Kern der Macht liegt in den Händen des tribalen Netzwerks der Huthis und allgemein der Zaidit*innen.

An der Spitze dieses religiös geprägten Herrschaftssystems steht Abdul-Malik al-Huthi, der sich selbst als Nachkommen Mohammeds, des Propheten des Islam, bezeichnet. [2]

Die Huthis unterhalten mehrere Sicherheits- und Geheimdienstorganisationen, die gegen politische Gegner*innen vorgehen und Menschen verfolgen, die sie als „konterrevolutionär“ einstufen. Die älteste und berüchtigtste dieser Organisationen ist der sogenannte „Jihaz al-Amn al-Wiqa’i“ (Präventiver Sicherheitsapparat).

Ein Großteil dieser Sicherheits- und Repressionsstrukturen ist dem Vorbild der Islamischen Republik Iran nachempfunden.

Die Zeitgeschichte des Jemen und seine verschiedenen Herrschaftssysteme

Bis 1990, also noch vor dem Zerfall der Sowjetunion, bestand der Jemen aus zwei getrennten Staaten.

Im Norden lag die Jemenitische Arabische Republik mit Sanaa als Hauptstadt. Sie entstand 1962 durch einen Militärputsch von Offizieren gegen die zayditische Monarchie. Diese Offiziere waren vom arabischen Nationalismus Gamal Abdel Nassers beeinflusst. Ägypten entsandte Zehntausende Soldaten in den Jemen, um die neue Republik militärisch zu unterstützen.

Acht Jahre lang kämpften Anhänger*innen der zayditischen Monarchie mit Unterstützung Saudi-Arabiens und Jordaniens gegen die Republik. Schließlich erkannten sie diese jedoch an.

Als die Jemenitische Arabische Republik gegründet wurde, stand der Süden des Landes noch unter britischer Kolonialherrschaft. Großbritannien kontrollierte die Hafenstadt Aden seit 1839 unmittelbar und übte seine Herrschaft über das Gebiet sowohl direkt als auch indirekt durch ein Dutzend tribaler Sultanate aus.

Unter dem Einfluss der Gründung der Jemenitischen Arabischen Republik im Norden, mit deren Unterstützung und durch die Präsenz ägyptischer Truppen im Norden, erstarkte auch im Süden die antikoloniale Bewegung gegen die britische Herrschaft und die Sultanate.

Schließlich wurde 1967 im Südjemen die Demokratische Republik Jemen gegründet. Als die Sowjetunion begann, diesen Staat zu unterstützen, bezeichneten sich dessen führende Politiker als „marxistisch-leninistisch“ und änderten den Staatsnamen in Demokratische Volksrepublik Jemen.

Das Auftreten einer neuen politischen Kraft

1990, ein Jahr vor dem Zerfall der Sowjetunion, wurden die beiden Teile des Jemen unter der Führung von Ali Abdullah Saleh vereinigt. Saleh war der Machthaber der sogenannten „marxistischen“ Demokratischen Volksrepublik Jemen. Der südjemenitische Staat war wirtschaftlich und militärisch von der Sowjetunion abhängig. Unter sowjetischer Anleitung und Unterstützung war seine Armee zu einer Streitkraft mit moderner Ausbildung und Ausrüstung ausgebaut worden.

Mit der zunehmenden Schwächung und schließlich dem Zerfall der Sowjetunion verlor die Regierung im Süden ihre wichtigste Rückendeckung. Unter den Bedingungen des Endes des Kalten Krieges erschien die Vereinigung mit der Jemenitischen Arabischen Republik im Norden als ein Weg, das politische Überleben zu sichern und aus der Krise herauszukommen.

Doch zugleich betrat eine neue politische Kraft die Bühne: die Huthis!

Die Ursprünge der Huthi-Bewegung liegen in den 1990er-Jahren in der Provinz Saada. Ihre Aktivitäten begannen Anfang der 1990er-Jahre – die meisten Quellen nennen das Jahr 1992 – mit der Gründung des „Forums der gläubigen Jugend“ (منتدى الشباب المؤمن). Später übernahm Hussein al-Huthi die politische Führung dieser Bewegung.

Die Zentralregierung des Jemen warf dieser Strömung und allgemein den Zaiditinnen vor, die Wiederherstellung einer „Herrschaft der Zaiditinnen“ anzustreben. Diese Herrschaft hatte im Jemen mehr als 1.100 Jahre Bestand gehabt – vom dritten Jahrhundert der islamischen Zeitrechnung bis 1962, als sie durch die Revolution nationalistischer Offiziere gestürzt wurde.

Dieser Vorwurf wurde allerdings zu einer Zeit erhoben, in der sich die Bewegung in ihrer Anfangsphase vor allem auf Forderungen nach religiösen und gesellschaftlichen Reformen sowie auf die Infragestellung der Legitimität der Republik konzentrierte.

Das Streben nach einer Wiederherstellung der historischen politischen Macht der Zaidit*innen lässt sich jedoch auch als Reaktion auf deren schrittweisen Machtverlust und den zunehmenden Rückgang ihres Einflusses verstehen. Verantwortlich dafür war die Regierung in Sanaa. Hinzu kam, dass die jemenitische Regierung seit den 1980er-Jahren die Ausbreitung salafistischer Zentren im Norden des Landes zugelassen hatte.

Gleichzeitig hielt die Zentralregierung die Provinz Saada und die von Zaidit*innen geprägten Gebiete wirtschaftlich und infrastrukturell in einem Zustand der Vernachlässigung und Unterentwicklung.

Im Jahr 2004 versuchte Ali Abdullah Saleh, damals Präsident des Jemen, Hussein al-Huthi festnehmen zu lassen. Von diesem Zeitpunkt an entwickelte sich die Huthi-Bewegung beziehungsweise Ansar Allah zunehmend zu einer politisch-militärischen Bewegung. 2014 eroberte sie Sanaa, die Hauptstadt des jemenitischen Staates.

Zwischen 2004 und 2014 weitete sich der Einflussbereich der Huthis schrittweise aus: Ausgehend von einem begrenzten Berggebiet in der Provinz Saada dehnte die Bewegung ihre Kontrolle auf immer größere Gebiete aus. Im Jahr 2011 brachte sie schließlich die Stadt Saada, das Verwaltungszentrum der gleichnamigen Provinz, vollständig unter ihre Kontrolle. Saada war die erste Provinz, die der Kontrolle der jemenitischen Regierung entglitt.

Dieser Vormarsch war jedoch auch eine Folge des politischen Chaos, das sich im Jemen ausbreitete.

2011 erreichte die Welle des „Arabischen Frühlings“ auch den Jemen. Die Jugendbewegung forderte den Sturz der 33-jährigen Herrschaft Ali Abdullah Salehs. Doch Militärkommandeure schalteten sich rasch in die Protestbewegung ein, um Einfluss auf sie zu gewinnen und sie für ihre eigenen politischen Interessen zu nutzen. Ein Beispiel dafür war General Ali Mohsen al-Ahmar, der sich den Protesten anschloss.

Schließlich wurde unter der Führung des Golf-Kooperationsrates – insbesondere Saudi-Arabiens, der Vereinigten Arabischen Emirate und weiterer Mitgliedstaaten – ein sogenannter „friedlicher Machttransfer“ organisiert.

Die Huthis nutzten das politische Chaos, das aus diesem Machttransfer hervorging, und konnten ihren Einfluss rasch ausweiten. 2014 marschierten sie in Sanaa ein und übernahmen die Kontrolle über staatliche Institutionen sowie über die Radio- und Fernsehsender.

Dieser schnelle militärische Vormarsch wäre allerdings ohne das zeitweilige Bündnis mit Ali Abdullah Saleh kaum möglich gewesen. Saleh wollte sich an jenen Militärs rächen, die ihn zuvor gestürzt hatten. Ein großer Teil der ihm loyal gebliebenen Streitkräfte schloss sich deshalb den Huthis an.

2017 wurde Ali Abdullah Saleh von den Huthis getötet. Nach Darstellung der Huthis habe er versucht, sie zu verraten.

Die Saleh loyal gebliebenen Militärs, die noch zu Zeiten der Sowjetunion ausgebildet worden waren, blieben jedoch weiterhin an der Seite der Huthis. Bis heute bilden sie einen wichtigen Bestandteil der militärischen Struktur dieser Bewegung und tragen maßgeblich zu ihrer militärischen Schlagkraft bei.

Eine neue Phase des Jemen-Krieges und das strategische Ziel der Huthis: die Errichtung eines jemenitischen Staates über das gesamte Gebiet des Jemen und Teile des heutigen Saudi-Arabiens

Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate betrachteten den drohenden Sturz der von ihnen unterstützten Regierung durch die Huthis als unmittelbare Bedrohung ihrer eigenen Sicherheit und als Zeichen einer zunehmenden Einflussnahme des Iran.

Deshalb intervenierten 2015 die saudische Luftwaffe und die Bodentruppen der Vereinigten Arabischen Emirate militärisch im Jemen. Mit umfassender Unterstützung der USA, die Waffen, US-amerikanische Green Berets, Geheimdienstpersonal und Aufklärungsflugzeuge des US-Militärs bereitstellten, griffen sie den Jemen an und verübten unvorstellbare Verbrechen an der jemenitischen Bevölkerung.

(Siehe dazu in dieser Ausgabe den Beitrag: „Die Verbrechen Saudi-Arabiens und der USA im Jemen-Krieg haben eine reaktionäre islamistische Gruppierung zu Held*innen der Bevölkerung dieses Landes gemacht“.)

Im Jahr 2022 wurde zwischen den Huthis und Saudi-Arabien ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet. Im vergangenen Sommer, im Juli 2026, betrachteten die Huthis diesen Waffenstillstand jedoch als beendet. Anlass dafür war die Bombardierung des Flughafens von Sanaa durch Saudi-Arabien, als eine Delegation der Huthis von der Trauerfeier für Ali Khamenei zurückkehrte.

Obwohl die Huthis bereits vor drei Jahren unter Berufung auf die Forderung nach einem Ende des israelischen Vernichtungskrieges in Gaza begonnen hatten, ihre geografische Lage strategisch zu nutzen und Schiffe im Roten Meer anzugreifen, ist der gegenwärtige Krieg im Jemen in Wirklichkeit eine Ausweitung des Krieges, der mit dem militärischen Angriff der USA und Israels auf den Iran begann. Die Huthis kündigten an, die saudischen Ölexporte über die Straße von Bab al-Mandab zu unterbrechen.

Die Huthi-Regierung hat inzwischen nicht nur die Straße von Bab al-Mandab in ihren strategischen Einflussbereich einbezogen. Ihr erklärtes Ziel ist mittlerweile eindeutig der Sturz der jemenitischen Regierung und die Eroberung des gesamten Jemen. Dieses Ziel verfolgt sie, indem sie sich auf die Kontrolle der Seewege konzentriert und darauf abzielt, die zentrale Ölexportader Saudi-Arabiens zu unterbrechen.

Die Straße von Bab al-Mandab ist eine der wichtigsten strategischen Meerengen der Welt. Sie verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und von dort aus mit dem Indischen Ozean. Sie liegt zwischen dem Jemen in Asien und Dschibuti sowie Eritrea in Afrika.

Die unmittelbaren Küstenabschnitte an dieser Meerenge gehören zum Jemen, zu Dschibuti und Eritrea. Saudi-Arabien verfügt über keinen direkten Küstenzugang zur Straße von Bab al-Mandab. Dennoch ist das Land für seine Ölexporte und seinen Seehandel in hohem Maße von dieser Meerenge abhängig.

Aus diesem Grund ist die Abhängigkeit der offiziellen jemenitischen Regierung von Saudi-Arabien Teil einer internationalen politischen Ordnung, die nach dem Zweiten Weltkrieg von den USA vorgegeben wurde. Diese Abhängigkeit aufzubrechen bedeutet in Wirklichkeit, einen wichtigen Bestandteil der amerikanischen Herrschaftsordnung in dieser Region infrage zu stellen.

Eine der wichtigsten Folgen davon wäre eine Schwächung des Petrodollars. Denn Saudi-Arabien hat in den vergangenen 50 Jahren sein Erdöl überwiegend in US-Dollar verkauft und damit eine zentrale Grundlage der weltweiten Dollarnachfrage geschaffen.

Allerdings bleibt der US-Dollar auch unabhängig davon die globale Leitwährung, weil die internationale Finanzinfrastruktur weiterhin überwiegend auf dem Dollar basiert.

Im vergangenen September eroberten die Huthis mit einer Blitzoffensive die gesamte Küstenlinie am Roten Meer.

Am 4. Oktober 2026 kündigte die jemenitische Regierung den Beginn einer großangelegten Militäroffensive gegen die Huthis an. Noch am selben Tag unterbrachen die Huthis die wichtige Verbindungsstraße zwischen Taiz und Aden. Militärische Quellen berichteten daraufhin von einer faktischen Belagerung der Stadt Taiz.

Doch die Ziele der Huthi gehen weit darüber hinaus.

Im August 2026 veröffentlichten die Huthi eine neue Karte des Jemen, die auch die drei nördlichen Provinzen Asir, Nadschran und Dschizan umfasst. Diese Gebiete wurden in den 1930er-Jahren von Saudi-Arabien vom Jemen abgetrennt und dem saudischen Staatsgebiet einverleibt.

Asir wurde 1930 erobert, Nadschran und Dschizan wurden 1934 im Rahmen des sogenannten Vertrags von Taif Saudi-Arabien zugesprochen. Die Rückgewinnung dieser Gebiete gehörte lange Zeit zu den zentralen Streitpunkten zwischen Saudi-Arabien und dem Jemen, bis die international anerkannte jemenitische Regierung sie im Jahr 2000 mit dem Vertrag von Dschidda offiziell anerkannte.

Die Huthi hingegen haben den Vertrag von Taif vollständig zurückgewiesen. Sie argumentieren, dass dieser Vertrag unter dem Druck des britischen Imperialismus und praktisch unter aufgepflanzten Bajonetten unterzeichnet worden sei. Angriffe auf saudische Öl- und Militäreinrichtungen in diesen drei Provinzen betrachten sie deshalb als Krieg auf jemenitischem Boden, mit dem Ziel, die „Aggressoren und Besatzer“ zu vertreiben.

Die größte Stärke der Huthi besteht darin, dass sie über eine gesellschaftliche Basis und Einfluss in diesen drei Provinzen verfügen – und damit gewissermaßen im Herzen Saudi-Arabiens.

Seit der Annexion dieser drei Provinzen verfolgt Saudi-Arabien nach Darstellung des Textes eine kontinuierliche Politik der Unterdrückung und unbeschreiblicher Verbrechen, um die jemenitische nationale Identität der dortigen Bevölkerung auszulöschen und sie nach dem Vorbild der Region Nadschd neu zu formen.[3]

Viele halten eine Rückeroberung dieser drei Provinzen durch den Jemen für „unwahrscheinlich“. Als Begründung verweisen sie auf das „Kräfteverhältnis“.

Doch in einer Situation, in der sämtliche bisherigen Kräfteverhältnisse weltweit ins Wanken geraten und dies insbesondere am Persischen Golf und auf der Arabischen Halbinsel deutlich wird, sind solche erneuten Grenzverschiebungen keineswegs „unwahrscheinlich“, sondern durchaus denkbar.

Tatsächlich zeigt sich, dass selbst das, was als „stabil“ und „ewig“ erscheint, plötzlich wie Rauch in der Luft verschwinden kann.

Wo stehen wir und was ist zu tun?

Die gegenwärtige Situation wirft die Frage nach einer Revolution mit einer außergewöhnlichen und beispiellosen Dringlichkeit und Möglichkeit auf.

Das eng miteinander verflochtene Machtgeflecht in dieser Region – bestehend aus Erdöl, Militärstützpunkten, multinationalen Konzernen und den logistischen Strukturen der imperialistischen Weltordnung – hat schwere Schläge erlitten, vor allem infolge seiner eigenen inneren Widersprüche.

Damit hat sich eine beispiellose Gelegenheit eröffnet, diese gewaltige imperialistische und reaktionäre Macht aus der Region zu vertreiben.

Doch dazu sind falsche Anwärter auf eine solche Rolle wie die Islamische Republik Iran oder die Huthi nicht in der Lage. Sie sind selbst Teil dieses Machtgeflechts, und ihre Nabelschnur ist mit dem globalen Kapitalismus-Imperialismus verbunden.

Die verzweifelten Menschen dieser Region suchten nach der Niederlage des „arabischen Nationalismus“ Zuflucht bei Islamisten, die sich als „antiimperialistisch“ ausgaben. Es darf nicht zugelassen werden, dass sich dieser Teufelskreis wiederholt.

Nur eine bestimmte Art von Revolution kann diese gewaltige imperialistische und reaktionäre politische, wirtschaftliche und militärische Machtstruktur sowie die reaktionären Staaten aus dem Persischen Golf verdrängen und dieses Gebiet unter die Kontrolle seiner Bevölkerung bringen.

Wenn diese Tatsache erkannt wird, kann der Kreislauf durchbrochen werden, in dem die Menschen immer wieder von einer reaktionären Gruppierung zur nächsten flüchten, von einem reaktionären Weg zum anderen.

Die Verwirklichung dieser historischen Notwendigkeit setzt eine Revolution voraus, die sowohl in ihrem Inhalt als auch in ihrer Praxis eine Qualität erreicht, die über den bisherigen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmen hinausgeht: eine sozialistische Revolution.

Deren grundlegende Merkmale hat Bob Avakian, der Architekt des Neuen Kommunismus, wissenschaftlich präzise zusammengeführt und theoretisch ausgearbeitet.

Die Menschen dieser Region – von Buschehr, Bandar Abbas, Mahschahr, Tschabahar und Bampur bis hin zu Sanaa, Aden, Kairo und anderen Orten – müssen sich mit dem Inhalt dieser Revolution vertraut machen. Das ist der entscheidende Schritt, der heute notwendig ist.

Man darf das Potenzial einer revolutionären Praxis von einer solchen Qualität nicht unterschätzen und es auch nicht durch die Suche nach „mittleren“, „einfachen“ oder vermeintlich „realistischen“ Lösungen ersetzen.

Die historische Erfahrung und wissenschaftliche Analyse zeigen, dass solche „Mittelwege“ niemals in der Lage sind, die Herrschaftsmechanismen des Imperialismus und der Reaktion zu erschüttern.

Diese Realität zu erkennen, erfordert den Mut, groß zu träumen, sowie die Entschlossenheit, eine Revolution zu planen und eine Zukunft aufzubauen.

Eine Zukunft, in der der imperialistische Kapitalismus nicht länger durch die Überausbeutung und das Aussaugen der Menschen dieser Region den Treibstoff für den weltweiten Ausbeutungsmechanismus liefern und zugleich die Zerstörung der Umwelt beschleunigen kann.

Militärischer Anhang:

Was ist die militärische Fähigkeit „ISR-Strike“, die die Islamische Republik Iran und die Huthi angeblich teilweise entwickelt haben?

Der Begriff bezeichnet in der modernen Militärterminologie eine Kombination aus zwei zentralen operativen Komponenten: Aufklärung und Angriff.

„I“ steht für Intelligence (Informationsgewinnung), „S“ für Surveillance (Überwachung) und „R“ für Reconnaissance (Aufklärung und Erkundung).

In der ersten Operationsphase, der ISR-Phase, werden feindliche Stellungen mithilfe von Drohnen, Satelliten, Kampfflugzeugen und hochentwickelten Sensoren überwacht. Dabei werden Ziele identifiziert, damit anschließend die Strike-Phase (Angriffsphase) eingeleitet werden kann.

Das Hauptziel besteht darin, den zeitlichen Abstand zwischen der Identifizierung eines Ziels und seiner Zerstörung so weit wie möglich zu verkürzen.

Ein Beispiel: Aufklärungsdrohnen entdecken zunächst ein bewegliches Ziel, etwa einen Raketenwerfer, und verfolgen es. Die gewonnenen Daten werden unverzüglich an das nächstgelegene Waffensystem übermittelt, beispielsweise an eine Kampfdrohne, ein Kampfflugzeug oder eine Raketenbatterie. Anschließend wird das Ziel unmittelbar angegriffen und zerstört.

Die Islamische Republik Iran hat in den vergangenen Jahren die Genauigkeit ihrer Angriffe über große Entfernungen verbessert. Nach Analysen von Forschungsinstituten wie RUSI und Medienberichten, etwa des Guardian, ist diese Verbesserung jedoch in erheblichem Maße von kommerziellen chinesischen Satellitenbildern und russischen Satelliteninformationen abhängig. Die Fähigkeit zur eigenständigen Aufklärung ist dagegen begrenzt.

Laut dem italienischen Verteidigungsmagazin RID haben die Huthi Aufklärungsdrohnen (ISR) mit faseroptisch gesteuerten FPV-Suiziddrohnen kombiniert und damit bewegliche oder versteckte Ziele mit hoher Präzision zerstören können.

Das Raumfahrtmagazin The Space Review analysiert, dass Iran in militärischen Auseinandersetzungen sowohl kommerzielle Satellitenbilder als auch von China und Russland bereitgestellte Satellitenaufnahmen zur Zielerfassung amerikanischer Militärstützpunkte eingesetzt hat.

So wurde beispielsweise der iranische Satellit „Khayyam“ von Russland gebaut und gestartet und wird möglicherweise auch von Russland betrieben.

Die chinesische Nachrichtenagentur beschreibt unter Berufung auf russische Fachmedien und amerikanische Denkfabriken detailliert die Taktik der Huthi, mit kommerziellen Drohnen aus einer Höhe von 300 Metern Bomben abzuwerfen und damit amerikanische Panzer des Typs M1A2S zu treffen. Dabei wird auch auf ihren Einsatz faseroptisch gesteuerter Drohnen hingewiesen.[4]

Aus der Perspektive von Konstruktion und Prototypenentwicklung ist ein solches technologisches Niveau für Raumfahrt-Ingenieurteams durchaus erreichbar. Die eigentliche Herausforderung besteht jedoch darin, die Funktionsfähigkeit dieser Systeme unter Bedingungen elektronischer Kriegsführung und im großflächigen Feldeinsatz dauerhaft sicherzustellen. Genau hier zeigt sich die Abhängigkeit der Islamischen Republik Iran und der Huthi von China und Russland.

Internationale Geheimdienstberichte, beispielsweise Berichte des Wall Street Journal, betonen, dass die Huthi bei ihren Angriffen über große Entfernungen im Roten Meer oder auf Ölinfrastrukturen wie Aramco auf Satellitendaten und Informationen aus dem Iran sowie aus regionalen gemeinsamen Operationszentren zurückgreifen, um Ziele präzise aufzuklären und zu lokalisieren.

In jedem Fall nutzen diese Akteure unterschiedliche „Gelegenheiten“: unzufriedene Bevölkerungsgruppen, den „freien“ Handel mit militärischem Wissen und militärischer Technologie – sowohl in ihrer theoretischen als auch in ihrer praktischen Form – sowie die Rivalitäten zwischen imperialistischen Mächten.

Gebildete, unzufriedene junge Menschen gibt es weltweit in großer Zahl, sowohl in den sogenannten Ländern der „Dritten Welt“ als auch in den imperialistischen Staaten.

Die Schicht der Ingenieure und Militärangehörigen, die den bestehenden Verhältnissen kritisch gegenüberstehen, ist sprunghaft gewachsen. Dazu gehören sowohl Kritiker aus einer rechten Perspektive – etwa gebildete junge Araber im Westen, die die Terroranschläge vom 11. September 2001 planten, oder palästinensische Nuklearingenieure, die für Saddam Hussein arbeiteten – als auch Kritiker aus einer fortschrittlichen Perspektive, für die der Völkermord in Gaza unerträglich geworden ist.

Heute, in Ermangelung eines kommunistischen revolutionären Befreiungspols, nutzen reaktionäre Kräfte, die um die Festigung ihrer eigenen Herrschaft kämpfen, diese gesellschaftliche Energie für ihre Zwecke.

Fußnoten

[1] Marieke Brandt – Tribes and Politics in Yemen: A History of the Houthi Conflict (2017, Oxford University Press).

[2] Die Huthi gehören einer zaiditischen Familie aus Saada im Norden des Jemen an. Religionsgeschichtlich sind sie Teil der schiitischen Strömung, erkennen jedoch nur vier der schiitischen Imame an. Als fünften Imam betrachten sie Zaid, einen weiteren Sohn des vierten schiitischen Imams.

Saada, der Geburtsort und das ursprüngliche Kerngebiet der Huthi, ist seit dem 9. Jahrhundert ein Zentrum des Zaidismus. Seit diesem Jahrhundert herrschten dort auch zaiditische Staaten.

1962 wurde ihre Monarchie gestürzt und die Republik Jemen gegründet.

[3] Großbritannien schuf Saudi-Arabien als zentralisierten Staat mit einer „nadschen“ und „wahhabitischen“ Identität.

Nadschd ist der Ursprung und das Hauptzentrum des Wahhabismus sowie der Herrschaftsfamilie Al Saud. Allerdings sind nicht alle Menschen aus Nadschd Wahhabiten, und nicht ganz Saudi-Arabien ist von der nadschen Identität geprägt.

Nadschd ist eine Hochebene im Zentrum Saudi-Arabiens, zu der auch Riad gehört.

Im 18. Jahrhundert begann Mohammed ibn Abd al-Wahhab, der religiöse Begründer des Wahhabismus, seine religiöse Bewegung. 1744 schloss er ein Bündnis mit Mohammed ibn Saud. Durch die Herstellung dieser Verbindung organisierte Großbritannien den Machtkern des saudischen Staates.

Viele Stämme Nadschds, die nicht wahhabitisch waren, wurden unterdrückt und zur Unterwerfung gezwungen.

Saudi-Arabien hat versucht, die nadschen-wahhabitische Identität als „nationale Identität“ zu etablieren.

Die Region Hedschas, in der sich Mekka und Medina befinden, hat keinen Anteil an der Herrschaft des Königshauses. Die Schicht der großen saudischen Kapitalbesitzer stammt jedoch aus dem Hedschas, ebenso wie zahlreiche staatliche Technokraten.

Die innerstaatlichen „Reformer“, von denen einer durch Mohammed bin Salman zerstückelt wurde – Jamal Khashoggi –, stammen aus den aristokratischen Familien des Hedschas. Sie streben eine harte Vergeltung gegen die saudische Königsfamilie an und unterhalten weitreichende Beziehungen zu britischen und amerikanischen Imperialisten.

Auch über die Angriffe der Huthi sind sie erfreut!

[4]

  • Matthew Mowthorpe, Markos Trichas und Damian Terrill: The Iranian Use of Space Operations During Epic Fury, 13. Juli 2026.
  • How Chinese Tech and Russian Tactics Are Aiding Iran’s Bombing of US Bases, 24. Juli 2026.

Den Originalartikel findet ihr hier. Wir haben ihn mithilfe einer maschinellen Übersetzung ins Deutsche übertragen.